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Das Land, in dem Mama Vater heißt...

Friedhelm Weinberg (PLASTE):

"Bisher steht es nach Fahnen 3-0 für Europa. Mental herrscht noch ein eindeutiges Unentschieden. Wozu gehört Georgien denn nun eigentlich: Europa, Asien, Kaukasus? Alles nur post-sowjetischer Raum?

Wenn es Sarajevo wäre, dann würde man darüber sprechen, dass die Moschee, die katholische, die orthodoxe, die armenische Kirche und die Synagoge in unmittelbarer Nähe stehen; dass sich Schiiten und Sunniten die Moschee teilen und seit einiger Zeit auch auf den Vorhang verzichten, der sie trennte. Oder darüber, dass die Fensterbilder in der katholischen Kirche doch sehr orthodox inspiriert sind – die Heiligenscheine sind rund und golden -, also dass hier ein bisschen alles zusammenkommt und sich mit Eigenem, Georgischem, Kaukasischem vermischt.

Aber weg von Religion und Politik. Was wirklich zählt ist Gastfreundschaft. Die ist wirklich so wie der Reiseführer androht. Wenn die Mutter nach Verputzen eines Teigfladens androht, dass Zuhause weiter gegessen wird. Oder wenn die Tochter auf Nachfrageerlaubt, dass ich morgen auch mal was bezahlen darf (ich habe es aber vorher geschafft). Dann ist man wohl in Georgien. Dem Land, in dem Mama Vater heißt, sonst auch einiges auf dem Kopf steht, aber das Herz am richtigen Fleck ist.


Hier gehts zu den Fortsetzungen.


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Chatchapuri / Chatschapuri


This lady made chatchapuri for her guests (summer 05). Chatchapuri is to Georgiens what pizza and spaghetti are for Italiens - THE national dish. It consists of dough and a special, rather salty cheese inside. Finally, it is usually covered with some melted butter.
Altough this type - called Imeruli - could be regarded as standard, there are a number of variations: Adjaruli, Megreuli and Penovani. Adjaruli, from the region Adjara at the black sea shore, has the form of an "open" ship (meaning you see the cheese) and comes with an egg and a spoon of butter on top. The megreuli type has a different crust on top than the Imeruli while the penovani type is made with puff pastry.
Its difficult to find a substitute for georgian cheese. Some people abroad take a mixture of mozzarella and sheep-cheese, but it will never taste the same. So go to Georgia to find out how delicious all types of chatchapuri are!

Diese Dame machte Chatschapuri für ihre Gäste (Sommer 05). Chatschapuri ist für Georgier, was Pizza und Spaghetti für Italiener bedeutet. Er wird aus Teig und einem besonderen, recht salzig schmeckenden Käse zubereitet. Schließlich wird er mit Butter bestrichen.
Obwohl diese Art - die Imeruli genannt wird - als Standard bezeichnet werden kann, gibt es mehrere Variationen: Adjaruli, Megreuli und Penowani. Adjaruli, aus der Region Adjara am Schwarzen Meer, hat die Form eines "offenen" Schiffes, in dem man ein Ei auf dem Käse schwimmen sieht. Ein Löffel Butter darf nicht fehlen. Die megrelische Variante hat eine andere Oberfläche als der Imeruli, während Penowani mit Blätterteig hergestellt wird.
Es ist schwierig, außerhalb Georgiens einen Ersatz für den georgischen Käse zu finden. Mozzarella und Schafskäse gemischt kommen dem Geschmack am nächsten, schmecken aber lange nicht so gut. Also, auf nach Georgien!

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A sacred place / Ein heiliger Ort

After visiting the small museum, located in one of the towers, we saw some men on a nearby hill, who brought dragged a calf behind them. To my companions, it was all too clear what would happen. I couldn´t catch the moment of slaughtering, but you can see the site quite well (the shot was taken with a 300 mm lens):

Nachdem wir das kleine Museum besichtigt hatten, das in einem der Türme eingerichtet ist, sahen wir einige Männer auf einem nahe gelegenen Hügel ein Kalb hinaufziehen. Meinen Begleitern war gleich klar, was nun passieren würde. Ich konnte trotz 300mm-Objektiv nicht die Schlachtung selbst aufnehmen, doch sieht man Ort dafür in der Totale:


This is one of the holy places of the Tushetians. The places of worship to pagan gods have never been fully abandoned. Women, unless very young or very old, are not admitted! The men from the village go here to be alone, they slaughter a calf, eat fresh meat along with onions, cucumbers, tomatos and chatcha-puri (cheese-bread), all accompanied by a good share of the many bottles of wine. Of course, the rite of drinking will be observed - one person being the tamada and giving out the toasts to god, the family, the dead and so on. (It is allowed to ask the tamada though if you wish to speak a toast as well - and in fact you should before you leave!)
Well, going there made me feel a bit uneasy; in the beginning I didn´t want to disturb and eat away other people´s food. But to them it would have been impossible NOT to invite us and so they did. They shared all of the food and some glasses of wine with us. All the food was delicious. I will not forget their warm hospitality, too. Luckily, my Georgian was sufficiant for the final toast which I drank to them and their families.

Dies ist einer der heiligen Orte der Tuschen. Die alten Kultstätten sind niemals in Vergessenheit geraten. Vielleicht gerade deshalb, weil Frauen (außer - in Ausnahmefällen - die ganz kleinen oder die sehr alten) hier keinen Zutritt haben. Die Männer des Dorfes gehen hierher um unter sich zu sein, schlachten ein Kalb, essen Chatschapuri (eine Art Käsebrot) und Zwiebeln, Tomaten, Gurken - und trinken ordentlich Wein dazu. Natürlich werden die Regeln des Tamada-Wesens eingehalten, wonach ein Tamada gewählt wird, der die Toasts auf die Familie, die Toten, Gott etc. ausspricht. (Es ist allerdings möglich den Tamada um Erlaubnis zu fragen, ob man selbst auch einen Toast aussprechen darf. Für einen Gast ist es sogar schicklich einen Toast auf die Familie des Gastgebers auszusprechen, bevor er sich verabschiedet. Nun ja, zunächst mochte ich eigentlich fremde Menschen bei ihrer Mahlzeit stören. Aber für diese Männer hier war es ganz undenkbar uns ohne ein paar Trinksprüche von dannen ziehen zu lassen. Wir blieben also ein paar Runden und bekamen von allem zu essen. (Das Essen war wunderbar.) Die Gastfreundschaft dieser sicher nicht wohlhabenden Männer werde ich nicht vergessen. Zum Glück reichte mein Georgisch aus, um am Ende einen Toast auf unsere Gastgeber und ihre Familien auszusprechen.


The only thing annoying were the myriads of flys being so countless that it was impossible to frighten them off. The following pictures shows the view back to Old Omalo - and the reason why there were so many of these little bugs... (You probably noticed already from which point I shot this photo; if not, take a close look on the first picture again.)

Das einzige, was sehr störte, waren die Heerscharen von Fliegen, die sich so zahlreich auf das Essen setzten, dass es sinnlos war sie immerzu zu verscheuchen. Das folgende Bild, nochmal ein Blick auf Alt-Omalo (wer das erste nochmal anschaut, weiß, von welchem Standpunkt aufgenommen), zeigt, woher die Fliegen kamen...


Just recently, I was given information that the "common orange lichen", also called yellow scale, maritime sunburst lichen or shore lichen (Xanthoria parietina) shown on a previous posting ("Old-Omalo) spreads in areas of dense animal-breeding, resulting in high amounts of nitrogen.

Übrigens habe ich jetzt gelernt, dass die "gewöhnliche Gelbflechte" (Xanthoria parietina), die auf dem Posting "Alt-Omalo" zu sehen ist, dort vorkommt, wo der Stickstoffgehalt in der Luft hoch ist - typischerweise hervorgerufen durch viel Tierhaltung.

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Hospitality / Gastfreundschaft


Having reached Omalo after a four-hour-drive, we were invited to a neighbor´s home. Originally, this lady is from Kacheti, but when she had married she moved to Omalo and lived there during all of the years until five years ago. Since then, in winter-time she and her husband enjoy the comfort of the plains in their little village-house on the road between Telawi and Achmeta (Kacheti).
She warmed our hearts and stomachs: When we had finished the delicious meal, I had asked if anyone knew to sing the famous national anthem of the Tushetians: "Ra lamazia Tusheti" (How beautiful Tusheti is), a song actually reminiscent of pagan religiousness. (The text mentions the adoration of a ram ornated by litten candles etc.; Tusheti was cristianized just about 400 to 300 years ago!).

Nach vier Stunden Fahrt erreichten wir endlich Omalo, wo wir im Haus von Nachbarn gastliche Aufnahme fanden. Tatsächlich stammt diese Dame aus Kachetien, aber nach ihrer Heirat mit einem Tuschen hatte sie die meiste Zeit ihres Lebens hier oben in den Bergen verbracht. Erst seit fünf Jahren zieht es das nunmehr gealterte Paar vor im Winter ein Landhaus zwischen Telawi und Achmeta (Kachetien) zu bewohnen.
Die Nachbarin bot uns nicht nur schmackhafte Kost, sondern auch Musik dar, nachdem ich gefragt hatte, ob jemand die "Nationalhymne" Tuschetiens: "Ra lamasia Tuscheti" ("Wie schön ist Tuschetien") singen könne. Der Text zu der wundervollen Melodie erinnert noch an heidnische Bräuche (Tuschetien wurde erst im 17. Jh. christianisiert!); es wird ein Widder besungen, der eine brennende Kerze zwischen den Hörnern trägt.


Here´s the song: / Hier ist das Lied:


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