OFFENER BRIEF AN IRMA KREITEN


Erwähne ich den Namen Irma Kreiten auf Facebook, bekomme ich schnell Kommentare oder PN (mitunter waren es Dutzende), die von ähnlichen Erfahrungen berichten. Da Frau Kreiten sachliche Auseinandersetzungen zum Gegenstand einer persönlichen Auseinandersetzung macht, die sie detailreich auf ihrer Blogseite schildert, füge ich hier meinen Brief vom 21.7.2016 ein, der geeignet sein könnte, manche Zusammenhänge verständlich zu machen.

Liebe Irma Kreiten,
Sie beklagen Sich, dass ich einen "Mob" gegen Sie entfesselt habe? Das war gar nicht meine Absicht. Hätten Sie mich nicht blockiert, hätte ich gern weiterhin den Weg der PN [Privatnachrichten] gewählt - aber den haben Sie ja verbaut. Ich bin vermutlich mehr noch als Sie erstaunt, mit wie vielen Menschen Sie sich offenbar während der letzten Wochen und Monate überworfen haben.
Ich habe auch nicht viel Hoffnung, dass Sie die Blockierung aufheben, nachdem Sie kürzlich schrieben: "Ich werde mich in dem Moment wieder direkt mit ihm unterhalten, in dem er mir - öffentlich - zusichert, statt hohle Worte und Lippenbekenntnisse auszusprechen...." usw. Zu gänzlich inhaltsfreien Invektiven eines Ihrer Claqueure, der für mich Attribute findet wie "narzißtisch autoaffirmativ", " in punkto inhaltlich oder gar semantisch konsistent zu argumentieren ... ein totalausfall" oder "passiv aggressive[r] verhaltensmodus", heben Sie dagegen mehrfach den Daumen. Ich stelle fest, dass uns in der Bewertung dessen, was uns tiefsinnig bzw. oberflächlich erscheint, offenbar Welten trennen.
Deswegen besser ad rem: Erfreulich finde ich ja, dass Sie sich nun doch daran erinnern, dass der Anlass der Blockierung nicht die Videos von J. A. waren und dass nicht ich, sondern Sie selbst die Blockierung durchgeführt haben. Warum die Entschuldigung für diese Fehler gekoppelt sein muss an Drittes, erschließt sich mir nicht.
Während ich beide Irrtümer noch als solche durchgehen lassen möchte, erwische ich Sie doch wiederholt bei einer faustdicken Lüge, die Sie schon kurz nach unserem Streit auf Ihrer FB-Seite unter Ihre Leserschaft gebracht haben. Sie behaupten damals wie jetzt, Sie hätten mich blockiert, "weil er mich nach vielen Bitten nicht in Ruhe gelassen hat". Sie haben mich um gar nichts gebeten, sondern sehr plötzlich, nachdem Sie mich als "Heuchler und Verleumder" bezeichnet hatten, blockiert.
Unsere Diskussion - lesen Sie gern Ihre Screenshots nach, die Sie vermutlich von allen PN anfertigen -, drehte sich um Erdogan, Böhmermann und den Völkermord an den Armeniern. Ich habe Erdogan als das bezeichnet, was er ist: als einen Autokraten, Chauvinisten, Nationalisten usw. - das mochten Sie nicht gelten lassen. Auch vertraten Sie vehement die Auffassung, Böhmermann (und nicht nur er!) müsse verurteilt werden, er spalte die Gesellschaft etc. Als ich Sie darauf hinwies, dass Ihre Ansichten über die (Un-)Freiheit der Kunst in meinen Augen schwerlich kompatibel seien mit Ihren Klagen über mangelnde Freiheit im deutschen Wissenschaftsbetrieb, bezeichneten Sie mich als Heuchler und Verleumder und schickten mir ohne erkennbaren Zusammenhang einen Link zu "Münkler und der Völkermord an den Tscherkessen" oder so ähnlich. [...]Was interessieren die Tscherkessen an der Stelle? [...] Sie dürfen mir gern falsche politische Ansichten vorwerfen, aber dass meine politischen Überzeugungen, die ich beinahe tagtäglich auf FB dokumentiere, geheuchelt seien, ist nun wirklich harter Tobak.
Und mit Verleumdung hat das schon gar nichts zu tun. "Tappe wäre offenbar nun einmal der letzten, der da für Meinungsfreiheit eintreten und Schutz bieten würde." Da halten Sie sich mal - in der causa Böhmermann et al. - den Spiegel vor.
Nachdem Sie bei NEX [einem türkischen Online-Nachrichtenmagazin] angeheuert haben, wird mir klar, warum Sie kein negatives Wort über Erdogan herauskriegen. Sie singen sein Lied, wenn Sie seinen Vorschlag einer gemeinsamen armenisch-türkischen Historikerkommission begrüßen. Glauben Sie allen Ernstes, die türkische Seite werde zum Schluss kommen, der Völkermord habe tatsächlich stattgefunden? So naiv können Sie schwerlich sein. Fahren Sie nach Eriwan, dort können Sie sich Augenzeugenberichte im Original anschauen. Sie schreiben nun: "Herr Tappe hatte mir u.a. vorgeworfen, mich nicht zum Völkermord an den Armeniern geäußert zu haben. Ich hatte das ganz klar getan". Nein, Frau Kreiten, trotz mehrfacher Nachfrage haben Sie das eben nicht getan. Sie haben sich hin und her gewunden und darauf verwiesen, dass das nicht Ihr Thema sei. Aber Sie können uns Ihr Eintreten zugunsten der Armenier ja in einem Beitrag auf Ihrer FB-Seite noch einmal deutlich vermitteln.
So erscheint Ihre Aussage über mich: "Man sieht ja auch ganz klar, daß er sich da jeglichem konkreten Einsatz für Forschungs- und Meinungsfreiheit von Akdemikern verweigert... Dabei hätte er die Hand reichen und helfen können" in einem merkwürdigen Licht. Ich wüsste gar nicht, wie ich dieses Feld beackern könnte. Ich wüsste auch nicht, dass Sie mich je um Hilfe gebeten hätten noch wie Sie sich meine Hilfe vorstellen. [...] Seitdem Sie mich blockieren, kann ich aber Ihre Beiträge zum Nordkaukasus nicht mehr wie gewohnt teilen.
Ihre Befindlichkeit kann hier nicht Thema sein. Nur so viel: Sie scheinen sich in der Rolle des Opfers einzurichten. Ihre dramatischen Formulierungen: "Fanatik", "Verleumdung", "Geisteskrankheit" deuten darauf hin, dass Sie außerordentlich dünnhäutig sind; andererseits halten Sie mit polarisierenden Äußerungen gegenüber Dritten durchaus nicht hinter dem Berg. "Im Mittelpunkt steht ... das Wirgruppengefühl einer zum dumpfen Pöbelmob verkommenen Ansammlung von Schönwetterdemokraten", die Sie als solche bezeichnen, weil sie den Putschisten Erdogan nicht als bessere Alternative sehen. Sie dürfen mit Recht vermuten, dass Sie für Formulierungen wie diese Widerspruch ernten werden. Das geht solange in Ordnung, wie Sie nicht schon wieder larmoyant auf Ihre angegriffene Gesundheit verweisen, die sich durch den Widerspruch verschlechtere.
Spannend fände ich zu erfahren, wie Sie die Entlassung von Tausenden Lehrern und Wissenschaftlern [in der Türkei] und das Verbot ihrer Ausreise beurteilen und wie SIE sich nun den "konkreten Einsatz für Forschungs- und Meinungsfreiheit von Akdemikern" vorstellen, den Sie von mir fordern. (Richtig, von Deutschland aus habe ich leicht reden, wie Sie sinngemäß schreiben. SIE dagegen können zur Heldin werden!)
Welch eigentümliche Gesinnung legen Sie an den Tag, wenn Sie auf den Einwurf eines Mitforisten, er stehe auf der Seite derjenigen Türken, die Erdogan nicht gewählt haben, schreiben:
"Anderre Leute stellen sich auf die Seite von Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit, unabhängig davon, welcher Partei nun sein Mitmensch angehört. ... Ich finde es vor allem in der Tendenz antidemkoratisch, anti-rechtsstaaatlcih und anti-freiheitlich. Es ist aber auch das, was ich von vielen Deutschen so kenne. Ob man sich für einen Menschen und dessen Rechte einsetzt, wird an dessen politischer Gesinnung festgemacht."
Die Umkehrung von Täter- und Opferrolle, die ich aus unserem Diskurs nun sattsam kenne, wenden Sie auch hier an: Die Anhänger Erdogans stehen bei Ihnen für Rechtsstaat, Demokratie und Freiheit; seine Kritiker für das jeweilige Gegenteil.
Liebe Irma Kreiten, ich weiß wirklich nicht, wie Ihnen zu helfen ist.
Viele Grüße nach Istanbul!
Ihr
Henning Tappe
P.S.: Danke für die Klarstellung, dass Sie nicht meine Entlassung durch eine Beschwerde beim Kultusministerium erreichen wollten, sondern nur eine Disziplinarmaßnahme, vulgo "Maulkorb". Da bin ich ja beruhigt. / In der Bearbeitung kleine sprachliche Fehler meinerseits korrigiert und Postscriptum hinzugefügt.

Nachträge vom April 2017:
Ich google nicht oft nach meinem Namen und habe erst jetzt festgestellt, dass Frau Kreiten mit Hilfe von Screenshots vieler Aussagen Dritter eine Art Verschwörung aufzudecken versuchte, in der sie mir eine prominente Rolle zuwies.

Sie kennen das als Autofahrer: Wenn man nur Gegenverkehr sieht, sollte man seine Fahrtrichtung besser überprüfen, statt aufs Gas zu gehen. Es ist nicht zielführend darüber zu spekulieren, ob all die entgegen kommenden Fahrer "unter einer Decke stecken". Leider nennt Fr. Kreiten zwar (mitunter sehr unterschiedliche) tatsächliche oder vermeintliche politische Standpunkte ihrer Diskussionspartner; es wird ihr aber das Naheliegende nicht bewusst: Die Leute haben nichts weiter gemein als Erfahrungen mit Irma Kreiten. Frau Kreiten beklagt einerseits unentwegt mangelnde Meinungs- und Forschungsfreiheit im deutschen Wissenschaftsbetrieb; sie erweckt aber andererseits durchaus nicht den Anschein, als ob sie ihrerseits die selben Freiheiten Andersdenkenden zugestehen möchte. Mit verbalen Einschüchterungsversuchen, Drohungen, den Arbeitgeber zu informieren oder vor Gericht zu gehen, scheint sie sich Reis Erdogan zum Vorbild zu nehmen.

Gerade ging in der Türkei das Referendum zu Ende. Zahlreiche Verstöße gegen die Wahlordnung, massive Behinderung der Opposition auf allen Ebenen und 40.000 politische Gefangene entsprechen Erdogans Ziel: Errichtung einer Autokratie und Abschaffung der letzten Reste demokratischer Strukturen. Vor allem aber ist die fundamentale Spaltung der türkischen Gesellschaft (auch in Deutschland) zu besichtigen. Irma Kreiten aber forderte die Verurteilung Böhmermanns, weil DER die Gesellschaft spalte.
Begriffe wie Demokratie, Freiheit oder Rechtsstaatlichkeit verwendet Frau Kreiten als Kampfbegriffe zur Diskreditierung Andersdenkender, denen sie schnell entsprechende Defizite unterstellt. Auch hier eifert sie ihrem Vorbild Erdogan nach, der auf das Ergebnis einer vermeintlich demokratischen Abstimmung pocht, die doch tatsächlich unter den Bedingungen des Ausnahmezustands stattfand. Im Hinblick auf die Umstände ließen sich Vergleiche mit dem Referendum auf der Krim anstellen. (Auf diesem Auge sieht Frau Kreiten scharf!) Ihr sei ein Zitat Erdogans von 1997 in Erinnerung gerufen: "Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufspringen..." Ihr Eintreten für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte ist bestenfalls selektiv.

So verhält es sich auch mit Ihren Klagen über mangelnde Meinungsfreiheit in der deutschen Presse: Zahlreich sind Ihre Klagen, dass Ihre Leserbriefe von TAZ nicht online gestellt bzw. gedruckt würden. Wie wäre es, Frau Kreiten, wenn Sie selbst mit gutem Beispiel vorangingen und meinen Kommentar auf Ihrer Blogseite (immerhin mit einem Text über mich!) einmal freischalten würden?

Frau Kreitens Argumentationsmuster lässt sich gut anhand ihres letzten Artikels auf NEX ("Wenn der Türke nichts zu sagen hat") aufzeigen:
Kritisiert wird von ihr -  vor dem Hintergrund der türkischen AKP-Auftritte in Deutschland und Erodgans Faschismus-Vorwurf - der deutsche "Rassismus" oder vielmehr, wie Kreiten formuliert: "Rassismus ohne Rassen", nur um andererseits der Bundesrepublik vorzuwerfen, sie unterstütze die türkische Opposition. Die massiven Wahlverletzungen, verbalen Entgleisungen seitens Erdogan & Co. sowie die Lage von ethnischen und religiösen Minderheiten in der Türkei ("Neo-Rassismus?") erwähnt sie dabei mit keinem Wort.
In ihrem viele Seiten langen Artikel, der tatsächlich zu großen Teilen von Problemen ihrer wissenschaftlichen Laufbahn in Deutschland handelt, verknüpft sie den Kampf gegen Rassismus oder "Neo-Rassismus" mit ihrem persönlichen Kampf um wissenschaftliche Anerkennung.


Wer sie auf Widersprüche hinweist, gesellt sich in ihrem Weltbild zu den Rassisten, "Heuchlern" (s.o.) usw.

Für Frau Kreiten ist dieses Muster zwiespältig: Einerseits vergewissert sie sich autoaffirmativ der Richtigkeit ihres Standpunktes, auf der anderen Seite verliert sie ihre Gesprächspartner (s.o.)


Dem zu Unrecht in der Türkei inhaftierten Denis Yücel neidet Frau Kreiten also die politische Auseinandersetzung; in Deutschland erwidere man ihre "intellektuelle Argumentation" nicht. Überhaupt gebühre ihr mehr Aufmerksamkeit als dem Inhaftierten; ihr Schicksal wiegt also ungleich schwerer.


Hellsichtig weist sie sich selbst den Weg zum eigenen "Minimalrespekt":


Oder wird Frau Kreiten weiterhin darauf bestehen, dass eine psychiatrische Diagnose nur in Kenntnis ihrer akademischen Argumente erfolgen könne?




Für die Suchmaschine: Sönke Henning Tappe, Irma Kreiten

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Some animals from the Caucasus




















































All pictures: Copyright Sönke Henning Tappe

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