Defense-towers in / Wehrtürme in Keselo

Over the centuries, many peoples moved over the Caucasus-ridge. It is not to be understood as a wall, separating the peoples, but rather as a sequence of valleys interlinked by mountain-passes. It is not an insurmountable obstacle for moving peoples or hostile warriors.

This picture shows again Old Omalo. The defense-towers can be seen from far. About a dozen of them still exist. Every tower belonged to one clan. There is good reason to believe that in medieval times the village counted many more inhabitants living there throughout the whole year.

For protection against hostile people from the north, the inhabitants of many villages like this one built defense-towers, that remind us of those to be found in northern Italy (San Gimignano), erected in the late medieval time of the civil wars between the Ghibellines and the Guelfs (loyalists and independents). This analogy might explain why we find here, in the Caucasus, defense-towers but no castles.

Let us reflect on the preconditions to the building of castles: First, there must be the material and personal resources to make the works possible. Secondly, there must be the political will or necessity (i.e. constant threat by enemies) to delegate political power to a government, that initiates and supervises the works. Thirdly, this government must have a hold on the resources necessary for the works. In the fourth place there must be great military advantages to be achieved by spending precious resources into a castle – resources that could be spent in many other ways, too. And finally, threats from the outside-world must be greater than prestige-thinking and quarrels among the families.

Well, stones for building houses, towers and possibly a castle are abundant in the mountains. Plates of stone, similar to slate, can be found just a few feet below the surface. There are many natural quarries around. But if you look at the picture closely, you find the village located on more than a castle hill, an ideal spot for defense, unreachable over the cliffs to the north. This way from the east (see photo) is the only one that gives a minimum of cover, difficult for horses though and impossible for heavy gear. Second, enemy-troops could be seen from far. Because protection by the nature of the settlement was already high, pressure on the families to found a common government or to submit to a leading (aristocrat) family seems to have been low. So it seems that defense could properly be arranged by independent families only. We know from Swaneti, a region to the west with many villages featuring defense-towers, that blood feud has been common until most recent times. It is quite well possible that this was another “argument” against a common defense-system (i.e. castle).

And finally, we have good reason to believe that existence up here in the mountains, at 2.000 m altitude, had always been so meager, resource necessary for constant domination of one family over the others was not possible. The same would apply to a common city- or village-government lacking resources for castle-works, as the families decided to use their short supplies for other goals.

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Über die Jahrhunderte sind viele Völker über den Kaukasus gezogen. Man darf sich dieses Gebirge nicht als eine Wand vorstellen, sondern als kreuz und quer verlaufende Täler und Pässen über die Berge. Für umherziehende Völker bzw. feindliche Krieger ist es kein unüberwindliches Hindernis.
Das Bild zeigt noch einmal Alt-Omalo. Von weitem schon erkennt man die Wehrtürme. Etwa ein Dutzend von ihnen sind erhalten. Jeder Turm gehörte einer Sippschaft.

Es gibt Hinweise, dass früher weitaus mehr Menschen - das ganze Jahr über - in den Bergdörfern des Kaukasus gelebt haben. Zum Schutz insbesondere vor den Völkern des Nordkaukasus bauten sie ihre Wehrtürme, die uns an die Wehrtürme im Norden Italiens erinnern, gebaut zu Ende des Mittelalters bzw. zu Beginn der Renaissance, zur Zeit der Wirren zwischen Ghibellinen und Guelfen, Kaisertreuen und nach Unabhängigkeit Strebenden (am besten erhalten in San Gimignano). Diese Analogie könnte erklären, warum wir hier lediglich eng beieinander stehende Wehrtürme, aber keine Burgen finden.
Für Bau und Unterhalt von Burgen gibt es verschiedene Voraussetzungen: Erstens müssen die Ressourcen vorhanden sein, also Material und Mittel um die Arbeiten zu finanzieren. Zweitens muss der politische Wille oder die Notwendigkeit vorhanden sein, den Schutz der Siedlung einer übergeordneten Gewalt, also einem Fürsten oder der Siedlungsgemeinschaft zu übertragen. Drittens muss diese Institution über die Mittel verfügen den Burgenbau den militärischen Herausforderungen der Zeit anzupassen bzw. zu unterhalten. Viertens ist natürlich die geografisch-militärische Notwendigkeit bzw. die Aussicht auf erhebliche bessere Verteidigungsmöglichkeiten Voraussetzung um erhebliche Ressourcen in den Bau einer Burg zu stecken - Mittel, die sich immer auch anders verwenden ließen. Und fünftens schließlich muss die Gefahr von außen größer sein als der Wetteifer (Prestige-Denken) und Streitigkeiten zwischen den Großfamilien.

Das Baumaterial war und ist zur Genüge vorhanden, denn das schieferähnliche Gestein, das auch für den Bau der Wehrtürme verwendet wurde, gibt es in Hülle und Fülle. Schaut man sich den Ort an, auf dem Alt-Omalo errichtet wurde, so erkennt man schnell, dass er ideale Voraussetzungen für die Verteidigung bot. Man konnte nicht nur das Herannahen von Feinden bereits von weitem erkennen, sondern war auch nach Norden hin durch die steil abfallenden Klippen bestens geschützt. Lediglich dieser Weg von Osten (siehe Foto) bot Angreifern bis kurz halbwegs passable Deckung, war aber mit Pferden oder schwerer Ausrüstung kaum passierbar. Da die Notwendigkeit nicht so sehr bestand, konnten die Großfamilien offenbar die Verteidigung selbstständig bzw. in loser Absprache regeln. Aus Swanetien, wo es noch viele Dörfer mit solchen Wehrtürmen gibt, ist die Blutrache bekannt. Möglicherweise verhinderte auch dies die gemeinsamen Verteidigungsanstrengungen zum Bau einer Burg. Und schließlich darf vermutet werden, dass das Leben auf 2000 m Höhe stets so karg gewesen ist, dass die Akkumulation größerer Ressourcen, Voraussetzung für die Herrschaft einer adeligen Familie, nicht in dem Umfang gegeben war, der für die Errichtung von Burgen ausgereicht hätte. Gleiches gälte demnach für eine mächtige Stadt- bzw. Dorfregierung, der ebenfalls die Mittel zum Bau von Burgen gefehlt haben dürften, weil die Familien andere Verwendung bevorzugten.

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1 Kommentar:

Stephanie hat gesagt…

Hallo Henning!
Gerade diesen Bericht fand ich wieder sehr interessant und kann deine Begründung, warum es in der Gegend keine Adeligen gab, sehr gut nachvollziehen!
Stephanie

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